Landeskirche begrüßt örtliche Netzwerke für Kirchenasyl: Studientag zieht Fachleute nach Duisburg

Mehr als 30 Gäste aus dem Rheinland zwischen Aachen und Düsseldorf waren am 29. Juni der Einladung des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg gefolgt und tauschten sich in der Kulturkirche Liebfrauen eingehend über organisatorische, rechtliche sowie finanzielle Fragen und Erfahrungen zum Asyl in der Kirche aus. Die – so hob einer der Gäste hervor – jahrtausendealte Tradition, kirchlichen Schutz zu gewähren, wem Unrecht droht, sei in Zeiten aggressiver werdender Migrationsdebatten häufiger nachgefragt als je zuvor. Diese Tradition des kirchlichen Schutzes stehe aber heute angesichts komplexer Rahmenbedingungen auch vor neuen Herausforderungen.

Rafael Nikodemus, Kirchenrat im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), betonte in seinem Einführungsvortrag die Bedeutung des Kirchenasyls in Zeiten zunehmend polarisierter Asyldebatten. Er sprach den sich bereits engagierenden Gemeinden Dank aus und begrüßte ausdrücklich Initiativen wie in Köln oder Duisburg, wo örtliche Netzwerke Gemeinden beraten und helfen können, die Herausforderungen eines Kirchenasyls zu bewältigen.

Der katholische Theologe Benedikt Kern aus Münster, der für das Ökumenische Netzwerk Asyl in der Kirche NRW e.V. sprach, verdeutliche in seinem Beitrag an Beispielen Betroffener die Belastungen und Misshandlungen, denen Geflüchtete in manchen EU-Mitgliedsstaaten, beispielsweise Bulgarien, Rumänien, Kroatien, aber auch in Polen und selbst Dänemark ausgesetzt sind, und in denen rechtsstaatliche Verfahren und elementare Menschenrechte der Geflüchteten wiederholt verletzt werden.

Auf die administrativen Herausforderungen eines Kirchenasyls für Gemeinden wies Matthias Schwab, juristischer Berater für Kirchenasyl im Landeskirchenamt der EKIR, in vielen Einzelfragen hin, die sich in den Diskussionen vor und nach der Mittagspause an die Vorträge anschlossen. Dabei wurde einerseits deutlich, dass Kirchenasyl zwar mehr nachgefragt und in mehr Gemeinden als je zuvor angeboten wird, es sich andererseits aber insgesamt weiterhin um Einzelfälle in besonderen Notlagen handelt, denn offizielle Zahlen der Bunderegierung belegen, dass 2023 lediglich 5,9% der gescheiterten Überstellungen in andere EU-Länder („Dublin-Abschiebungen“) wegen Kirchenasyl nicht durchgeführt werden konnten.

Dass eines der ursprünglichen Ziele der Veranstaltung, Duisburger Gemeinden verschiedener Konfessionen für das Thema Kirchenasyl zu gewinnen, nicht erreicht wurde, tat dem interessanten Verlauf der Veranstaltung keinen Abbruch. Die Fragen und Diskussionsbeiträge zeigten schnell, dass fast ausnahmslos Fachleute und Kirchenasyl-Erfahrene teilnahmen, denn bald ging es um fachliche Details wie die Abwicklung der „Dossier-Verfahren“, Fragen der finanziellen Ausstattung, die Zusammenarbeit mit den zuständigen Ausländerbehörden, aber auch um Konflikte mit Polizei und Ordnungsbehörden, wenn Kirchenasyle mit Polizeigewalt beendet werden.

Diese Einzelfälle staatlicher Repression verlangen von den Betroffenen Stärke und Durchhaltevermögen, auch wenn Strafen oder weitergehende Ermittlungen letztlich immer vermieden werden konnten, weil die Vereinbarung zum Kirchenasyl zwischen den Kirchen und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 von kirchlicher und auch von staatlicher Seite nicht in Frage gestellt wird.

Am Thema interessierte Gemeinden oder Einzelpersonen (jeglicher Konfession), die Fragen, aber noch keine Erfahrung haben, können sich an den Synodalbeauftragten des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, Reiner Siebert, wenden, der kostenfrei telefonische oder vor-Ort-Beratungen anbietet und unter reiner.siebert@ekir.de angefragt werden kann.

Text: Reiner Siebert

 

Das Bild wurde beim Fachtag Kirchenasyl am 29.6.2024 in der Duisburger Kulturkirche Liebfrauen aufgenommen (Foto: Sören Asmus).

 

  • 3.7.2024
  • Rolf Schotsch
  • Red